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Veranstaltungsreihe „Geschichte ist mehr ...“

Bild zeigt Logo der Vortragsreihe "Geschichte ist mehr ..."

Die Veranstaltungsreihe „Geschichte ist mehr …" ist eine Kooperation des Stadtarchivs mit der Volkshochschule sowie dem Heimatverein Borken. Sie wurde im Herbst des Jahres 2000 begründet, als die Leitung von Stadtarchiv und Stadtmuseum in eine Hand gelegt wurde.

Unter der Programm-Koordination des Stadtarchivs finden im VHS-Forum in der ehemaligen Josefskirche an der Heidener Straße 88 regelmäßig Mittwochsvorträge und -vorstellungen zu verschiedenen Themen der Stadt- und Regionalgeschichte statt.


Veranstaltungen im 2. Halbjahr 2021

(unter Corona-Vorbehalt)

Mittwoch, 24.11.2021 | Montessori-Gesamtschule, Kulturraum3 | 19:30 Uhr

Markus von Hagen (Rezitator u. Kabarettist)Philip Ritter (Pianist, Journalist)

„Irgendwo lacht ein Dinosaurier“
Georg Kreisler. Sein Leben, seine Lieder

Georg Kreisler hat das deutschsprachige Musikkabarett wie kein anderer geprägt: Er war ein hervorragender Pianist und verband seine oft sehr poetischen, manchmal auch surrealen oder schwarzhumorigen Texte mit anspruchsvoller Klavierbegleitung. Viele seiner Lieder sind Klassiker. Markus von Hagen, begleitet von Philip Ritter, stellt den tiefgründigen Satiriker vor, der uns auch heute noch eine Menge zu sagen hat.

Markus von Hagen arbeitet als Kabarettist, Autor, Regisseur und Rezitator in Münster, wo er vor allem durch sein Musical zum Bistumsjubiläum bekannt wurde. Der Träger des Herner Satirepreises gastiert als Moderator vieler Musikprogramme (Udo Jürgens, Andrea Bocelli), seiner Eventgastronomie (Krimi-Quiz-Dinner, Poetisches Henkersmahl, In 80 Gängen um die Welt) oder dem theologischen Kabarett „Jesus Christ – Kabarettist“ im gesamten deutschsprachigen Raum, einschließlich Namibia. Er ist Sprecher der Blindenhörbücherei und gestaltet mit „Literatur für Liebhaber“ im Stadttheater Münster seit zehn Jahren die langlebigste Literaturreihe der Stadt.

Der Pianist und Journalist Philip Ritter greift nicht nur regelmäßig bei der erfolgreichen Mitsingveranstaltung „Rudelsingen“ in die Tasten, er untermalt auch die Lesungen von Christoph Tiemanns „Theater Ex Libris“ und improvisiert seit vielen Jahren beim Münsteraner „placebotheater“. Gelegentlich springt der gebürtige Celler auch bei der poetischen Amüsierschau „Ein rätselhafter Schimmer“ ein und übernimmt bei diesen Reisen in die zwanziger Jahre sogar ein paar Gesangseinlagen.

 

Beginn:     19:30 Uhr

Ort:          Montessori-Gesamtschule: kulturraum3, Röwekamp 14

Entgelt:     10,00 Euro


Veranstaltungen im 1. Halbjahr 2022

(unter Corona-Vorbehalt)

Mittwoch, 26. Januar 2022 | VHS-Forum | 19:00 Uhr

Judith Neuwald-Tasbach (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen)

Städtische Veranstaltung am Vorabend des Holocaust-Gedenktages

Relative Normalität und wachsender Antisemitismus 
Jüdisches Leben heute

Die Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen, die Judith Neuwald-Tasbach seit fast 15 Jahren mit viel Umsicht führt, ist beispielhaft für die Nachkriegsentwicklung und für die gegenwärtige Lage jüdischer Gemeinschaften in Deutschland. Die Zuwanderung russischer Juden aus der zerfallenden Sowjetunion ließ in den 1990er Jahren auch die Gelsenkirchener Gemeinde stark wachsen. Die Stadt Gelsenkirchen und die Landesregierung NRW unterstützten daher den Bau eines Gemeindezentrums mit Neuer Synagoge, das 2007 eingeweiht wurde. Unter der neuen Leitung von Judith Neuwald-Tasbach öffnete sich die Gemeinde mit Erfolg und wachsender Zuversicht für eine breitere Öffentlichkeit. Seit mehreren Jahren indes sind die Gemeindeleitung und die Mitglieder mit einem wachsenden Antisemitismus konfrontiert, der das Alltagsleben prekär macht und im vergangenen Mai in einer hasserfüllten Demonstration vor der Synagoge gipfelte, die bundesweit Entsetzen auslöste.

Im Bewusstsein um die Geschichte und Fragilität jüdischen Lebens in Gelsenkirchen spricht Judith Neuwald-Tasbach über die gegenwärtigen Probleme und Herausforderungen. Ihr 2001 verstorbener Vater Kurt Neuwald, ein Überlebender des Ghettos Riga, hatte 1945/46 in Gelsenkirchen ein neues jüdisches Leben mitbegründet und sich mehrere Jahrzehnte lang an führender Stelle im Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Westfalen-Lippe und im Zentralrat der Juden in Deutschland engagiert.

 

Beginn:     19:00 Uhr

Ort:          VHS-Forum, Heidener Straße 88


Mittwoch, 23. Februar 2022 | VHS-Forum | 19:30 Uhr

– Vortrag –

Prof. Dr. Hiram Kümper (Universität Mannheim)

Die Hanse, Borken und das Münsterland
Geschichte, lokale Identität und kulturelles Stadtmarketing

„Sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bey Nacht ruhig schlafen können.“ Mit diesen berühmten Worten übergibt der „ehrbare Kaufmann“ Johann Buddenbrook die Geschäfte an seinen Sohn. Nicht erst seit den Zeiten Thomas Manns ist die Hanse für uns Deutsche ein Bezugspunkt des historischen Stolzes und der Selbstvergewisserung. Noch jede Generation hat dieses Handelsnetz als vermeintlich zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen ihrer Gegenwart herangezogen. Nicht minder ausgeprägt ist die Identifikation in all jenen größeren und kleineren Städten, die für sich in Anspruch nehmen, der Hanse angehört zu haben. Aktuell erlebt auch das Ideal des ehrbaren Kaufmanns eine beispielslose Renaissance.

Doch was wissen wir tatsächlich von den hansischen Kaufleuten im Mittelalter? Wie dachten sie, unter welchen Voraussetzungen handelten sie? Und war Borken wirklich eine Hansestadt? Prof. Hiram Kümper, der für die Stadt Borken als Co-Koordinator eines stadtgeschichtlichen Gesamtwerkes tätig ist, erklärt auf Basis seines aktuellen Buches, was die Hanse ausgemacht und welche Bedeutung sie für Borken gehabt hat und warum sie noch Jahrhunderte nach ihrem stillen Verschwinden fasziniert. Ganz nebenher zeigt er, wie uns die alte „Seidenstraße des Nordens“ auch helfen kann, die heutige Wirtschaft Europas besser zu verstehen.

 

Beginn:     19:30 Uhr

Ort:          VHS-Forum, Heidener Straße 88

Entgelt:     6,00 Euro


Mittwoch, 23. März 2022 | VHS-Forum | 19:30 Uhr

– Vortrag –

Michael Peters (Akademie Franz-Hitze-Haus, Münster)

Ein Sozialreformer mit Langzeitwirkung
Leben und Werk des katholischen Reichstagsabgeordneten Franz Hitze (1851-1921)

Als der Reichstagsabgeordnete, Münsteraner Universitätsprofessor und Priester Franz Hitze am 20. Juli 1921 starb, war die Trauer nicht nur in katholischen Arbeitervereinen und Gewerkschaften groß. Der Westfälische Merkur schrieb, mit ihm sei „ein Volksabgeordneter in des Wortes edelster und tiefster Bedeutung dahingegangen, der weit über 40 Jahre als Parlamentarier im Vordergrunde der sozialen Bewegung gestanden“ habe. Die Wiener Reichspost resümierte, Hitze habe „wesentlich dazu beigetragen, dass das Deutsche Reich in Bezug auf soziale Gesetzgebung in der vordersten Reihe der Staaten“ stehe.
Im kaiserlichen Obrigkeitsstaat hatte Franz Hitze in strikter Abgrenzung von der sozialdemokratischen Opposition als beharrlicher Sozialreformer der katholischen Zentrumspartei gewirkt, die soziale Ausgestaltung der jungen Weimarer Reichsverfassung hatte er noch mitgeprägt. Zukunftsweisend war sein früher Einsatz für die Bildung katholischer Arbeiter- und Bildungsorganisationen, für eine moderne Sozialversicherung, für den Arbeitsschutz und die Arbeitermitbestimmung, fragwürdig seine antisemitischen Ressentiments der 1870er Jahre, die er später bedauern sollte.
Michael Peters, Verwaltungsleiter der Katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus (Münster), stellt auf Basis eigener Forschungen das Leben und Werk eines Sozialtheoretikers und Sozialreformers vor, nach dem in Borken immerhin eine Straße benannt ist.

Beginn:     19:30 Uhr

Ort:          VHS-Forum, Heidener Straße 88

Entgelt:     6,00 Euro


Mittwoch, 27. April 2022 | VHS-Forum | 19:30 Uhr

– Vortrag –

Walter Schiffer (WWU Münster) & Dr. Norbert Fasse (Stadtarchiv Borken)

Traditionsbewusstes Judentum und wilhelminische Moderne
Die Synagogengemeinden Borken und Gemen um 1900

Im Jahr 1896 wird in Münster der „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Westfalen“ gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Jonas Haas und Oskar Löwenstein, die Vorsteher der Jüdischen Gemeinden Borken und Gemen. Der neue Verein setzt sich dafür ein, dass die traditionellen Grundsätze des Judentums im Alltag weiterhin beachtet und gelebt werden. Schon seit Mitte des Jahrhunderts stellen sich viele jüdische Gemeinden in Westfalen und im Rheinland den liberalen innerjüdischen Strömungen entgegen, indem sie solche Vereinigungen bilden. In ihren Augen gilt es, dem religiösen Verfall Einhalt zu gebieten. In den Richtungskämpfen zwischen Liberalen, Orthodoxen und Konservativen beziehen somit auch die Borkener und die Gemener Gemeinde Position für eine toratreue Ausrichtung.
Die beiden Referenten skizzieren die historischen und die religiösen Umstände der Vereinsgründung und zeigen an einigen Beispielen traditioneller Schriften, welche Haltungen für die Lebensgestaltung gesetzestreuer Jüdinnen und Juden prägend waren. Das Ringen um unverfälschte Bewahrung religiöser Identität oder deren Modifikation in einer Zeit beschleunigten Wandels ist in mancher Hinsicht exemplarisch geblieben. Es ähnelt der Orientierungssuche religiöser Minderheiten in unserer heutigen Zuwanderungsgesellschaft, die sich ebenfalls zwischen Assimilation und Selbstbewahrung bewegen.

Beginn:     19:30 Uhr

Ort:          VHS-Forum, Heidener Straße 88

Entgelt:     6,00 Euro


Mittwoch, 11. Mai 2022 | VHS-Forum | 19:30 Uhr

– Vortrag –

Dr. Norbert Fasse (Stadtarchiv Borken)

Stadtsanierung und Profilierung per Großkomplex
Der Bau des Borkener Vennehofs 1975-1982

Schon 1966 hielt der Borkener Stadtrat in einer Entschließung fest, die in der südlichen Altstadt vom Krieg verschont gebliebene Bausubstanz sei „weitgehend überaltert“, habe „im Gesamtorganismus keine eigentliche Funktion“ mehr und stelle für „die Entwicklung der Stadt eine Belastung dar“. Sie solle daher „mit dem Ziel saniert werden, dem Borkener Handel die dringend notwendige Expansionsmöglichkeit zu geben, um damit den zentralörtlichen Anforderungen gerecht zu werden.“ Mehrere Motivstränge liefen von nun an zusammen: die Sanierungsbedürftigkeit eines alten Stadtquartiers, die sozialökonomische Planungseuphorie der 1960er und 1970er Jahre, die heraufziehende kommunale Neugliederung, die Borkens Status als Kreisstadt bedrohen mochte, und ein zeittypisches Verständnis von Stadtentwicklung und sozialökonomischer Zentralität, von Städtebau und Architektur.

Das Ergebnis war der Vennehof als multifunktionaler Großkomplex mit dem Makado-Einkaufszentrum, mit Gastronomie, dem sozialkulturellen Zentrum Stadthalle, der Remigius-Bücherei und 35 Seniorenwohnungen. Vorübergehend war auch an die Volkshochschule gedacht worden, an ihrer Stelle zog schließlich die Katholische Familienbildungsstätte ein. Das angeschlossene Autoparkhaus bildete die Brücke zum zwölfgeschossigen Krankenhaus-Neubau, der die Neugestaltung der südlichen Altstadt komplettierte – „exakt geplant und auf dem Reißbrett vorgezeichnet“, wie es in einer Sonderbeilage der Borkener Zeitung zur Eröffnung des Einkaufszentrums im Oktober 1977 hieß.

 

Beginn:     19:30 Uhr

Ort:          VHS-Forum, Heidener Straße 88

Entgelt:     6,00 Euro


Mittwoch, 25. Mai 2022 | VHS-Forum | 19:30 Uhr

– Vortrag –

PD Dr. Stefanie Samida (Universität Heidelberg)

 

 

„Eine wahrhafte Heldenlaufbahn hat er durchmessen“ – Heinrich Schliemann und seine Ausgrabungen in Troia als Medienereignis des 19. Jahrhunderts

 

Als Heinrich Schliemann (1822–1890) im Jahr 1873 den von ihm als „Schatz des Priamos“ titulierten Hortfund entdeckte, erlangte er – quasi über Nacht und aus dem Nichts heraus – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit große Berühmtheit. Einem archäologischen Laien, so schien es, war geglückt, was bis dahin keinem Gelehrten gelungen war: Schliemann hatte das mythische Troia Homers lokalisiert. Seine Gleichsetzung des Ruinenhügels Hisarlık an den Dardanellen mit dem von Homer beschriebenen Troia erlangte eine enorme publizistische Aufmerksamkeit. Mit der Zeit avancierte der mecklenburgische Kaufmann und archäologische Autodidakt zum Tagesgespräch der zeitgenössischen Presse. Die ‚Dauerberichterstattung‘ zu Schliemann und seinen Ausgrabungen führte zu einer zunehmenden Verbindung der Archäologie mit seiner Person: Schliemann und Troia, ja Schliemann und Archäologie, wurden und werden in einem Atemzug genannt – auch im Jubiläumsjahr 2022, dem Jahr seines 200. Geburtstages. Wie kam es dazu und welchen Anteil hatte Schliemann selbst?

Beginn:     19:30 Uhr

Ort:          VHS-Forum, Heidener Straße 88

Entgelt:     6,00 Euro


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