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Archivalien des Amtes Gemen-Weseke werden in Leipzig entsäuert

Borkener Stadtarchiv nimmt auch in 2021 an der Landesinitiative zum Substanzerhalt von Archivgut teil

Nach rund acht Monaten kehrten nun insgesamt 359 Archivalien des Bestandes „Amt Gemen-Weseke A“ in das Borkener Stadtarchiv zurück. Diese wurden im vergangenen Jahr im Rahmen der Landesinitiative zum Substanzerhalt von Archivgut (LISE) massenentsäuert. Zugleich traten insgesamt 78 weitere Archivschachteln des erwähnten Bestandes sowie des Archivbestandes „Amt Gemen-Weseke B“ den Weg zur Massenentsäuerung an und stehen voraussichtlich bis Ende September zur Einsichtnahme nicht zur Verfügung. Das Bestandserhaltungsprojekt wird etwa 4.500 Euro kosten, 60 Prozent dieser Kosten werden dabei durch das LWL-Archivamt im Rahmen einer Förderung übernommen.

Die Massenentsäuerung von im Stadtarchiv verwahrtem Archivgut ist erforderlich, da das Papier der Archivalien aus der zweiten Hälfte des 19. sowie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts säurehaltigen Holzschliff enthält. Die darin enthaltenen Säuren zersetzen die Cellulose, was zu einer vermehrten Brüchigkeit des Papiers führt. Die sogenannte Entsäuerung, also die Behandlung des Papiers in einer nicht-wässrigen Lösung zur Stabilisierung des pH-Werts wird durch das LWL-Archivamt in Münster fachlich betreut und koordiniert. Die Maßnahme selbst findet beim Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig statt. Hier wurden im Jahr 2020 bereits die nun zurückgekehrten Archivalien sowie der komplette Bestand „Stadt Borken B“ im Rahmen einer von der Koordinierungsstelle für den Erhalt schriftlichen Kulturgutes geförderten Maßnahme entsäuert.

Nach Borken zurückgekehrt sind nun Archivalien aus dem früheren Tätigkeitsbereich der Ordnungspolizei des ehemaligen Amtes Gemen-Weseke sowie ihrer Vorläufer. Darunter fallen Archivalien zur Gaststätten-, Gewerbe- und Lebensmittelaufsicht, zum Gesundheitswesen sowie der Bau-, Beerdigungs-, Feuer-, Melde- oder Sittenpolizei oder der Finanzverwaltung. In den kommenden Monaten nicht zur Benutzung zur Verfügung stehen etwa Meldebücher, Hausstandslisten, Katasterunterlagen, Personenstandslisten, Ratsprotokolle oder Sammelakten zu Personenstandsfällen des ehemaligen Standesamtes Gemen. Ebenfalls entsäuert werden Archivalien zum Pass- und Meldewesen, zum Gewerbe- und Gesundheitswesen, zu kulturellen und schulischen Angelegenheiten, zur Sozialfürsorge sowie der Bauverwaltung des früheren Amtes Gemen-Weseke.

Auch in diesem Jahr wurden die Mitarbeiter des Stadtarchivs beim Transport der Archivalien vom dritten Obergeschoss in das Erdgeschoss des mittelalterlichen Stadtturms durch einen Drehleiterwagen der Feuer- und Rettungswache unterstützt. Dabei wurden rund 350 Kilogramm Archivgut, das entspricht 363 Archivalien, in 78 Archivschachteln verlagert.