Skip navigation

Gemeinsamer Nachruf zum Tod von Fredi Kaddar (Lisa Friederike Löhnberg)

GEMEINSAMER NACHRUF

Wir trauern um die große alte Dame der jüdischen Familie Gans-Kaddar, die die familiären Verbindungen zu Borken bis ins hohe Alter mit Klugheit, Umsicht und Warmherzigkeit inspiriert, gepflegt und gefördert hat. Wir trauern um

 

Fredi Kaddar

 

geboren als Lisa Friederike Löhnberg am 25. August 1929 in Köln,

gestorben am 17. Mai 2020 im Kibbuz Ma‘abarot (Israel)

Mit sechs Jahren musste sie mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in die USA emigrieren, weil der Vater, der als Gynäkologe an einer Kölner Klinik arbeitete, aufgrund der nationalsozialistischen Gesetze entlassen worden war. Mit 23 Jahren wanderte sie nach abgeschlossenem Studium mit ihrem gerade angetrauten, aus Borken emigrierten Ehemann Theo Gans, den sie in San Francisco kennengelernt hatte, nach Israel aus.

Fredi Kaddar erwies sich schnell als emanzipierte Mutter dreier Kinder und als vielseitig interessierte, weltoffene und kontaktfreudige Partnerin, so dass die Familie wiederholt längere Zeit im Ausland lebte. Für eine Tätigkeit an der israelischen Botschaft in London musste die Familie 1972 ihren deutschen Namen Gans ablegen und wählte den Namen Kaddar, den Theos älterer Bruder Gershon (Karl) bereits als junger Emigrant und britischer Soldat angenommen hatte.

Als Kind und Jugendliche geprägt von antisemitischer Diskriminierung und vom Emigrantendasein, hat Fredi Kaddar dennoch gemeinsam mit ihrem Mann Theo private Kontakte zu Deutschland und der Stadt Borken relativ früh wiederaufgenommen und seit 1988 auch in öffentlichen Beziehungen erweitert und vertieft. Wie ihrem 1996 verstorbenen Ehemann und seinen Brüdern Manfred und Gershon lagen auch Fredi die Gespräche mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern besonders am Herzen. Bei ihrem Besuch zum 70. Jahrestag der nationalsozialistischen Novemberpogrome schrieb sie 2008 in das Goldene Buch der Stadt Borken, sie hoffe, „dass der Kontakt mit Borken auch in Zukunft durch ihre Kinder und Enkel so innig weitergeführt“ werde. Noch vor anderthalb Jahren war sie zum selben Anlass mit mehr als zwanzig Kindern, Neffen, Nichten und Enkelinnen und Enkeln erneut zu Besuch und sprach vor einem großen Kinopublikum eindrucksvoll zur Premiere eines Films über die Familie Gans.

Bis vor kurzem pflegte Fredi ihre Kontakte zu ihren Freundinnen und Freunden in Borken per E-Mail und Telefon, nahm an deren Leben Anteil und bezog sie in ihren großen, familiären Freundeskreis ein. Mit der ihr eigenen Zuwendung und Zuversicht interessierte sie sich sowohl für politische und gesellschaftliche Themen als auch für persönliche Fragen und Entwicklungen im Leben jedes Einzelnen. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass sich im Frühjahr dieses Jahres eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und Vertretern der Stadt Borken auf eine Reise nach Israel vorbereitet hat, um die Beziehungen zur Familie Gans in Israel zu vertiefen und gemeinsam über Identitäten, Werte und das Erbe der Shoah zu reflektieren. So gern hätte Fredi Kaddar diesen wegen der Corona-Pandemie leider vorerst stornierten Besuch noch erlebt, gern hätten wir ihn selbst abgestattet.

Nun ist ein Leben voller Herausforderungen, getragen von der Sehnsucht nach Menschlichkeit, Freundschaft und Nähe über Grenzen hinweg, von dem Glauben an die Gestaltungskraft und Wirkungsmacht persönlichen Tuns und geleitet von Zuversicht, Lebensfreude und Liebe zu Ende gegangen. Mit großer Dankbarkeit und tiefer Verbundenheit mit ihrer Familie nehmen wir inneren Abschied.

Für Bürgerschaft, Rat und Verwaltung der Stadt Borken

Mechtild Schulze Hessing (Bürgermeisterin)

Arbeitskreis jüdische Geschichte in Borken und Gemen e.V.

Die in der Erinnerungsarbeit engagierten Borkener Schulen

Die Mitglieder der Reisevorbereitungsgruppe Israel 2020

Freundinnen und Freunde

Susanne Botschen, Hartmut Bringmann, Christoph Ellers, Rita Farwick, Dr. Norbert Fasse, Christel König, Annette Grümer-Weyers, Anne Hilfert, Friederike Krämer-Brand, Haidrun Lügger, Hans-Jörg Modlmayr, Hildegard Modlmayr-Heimath, Clara Müller, Farina Müller, Michaela Müller, Andreas Nubbenholt, Sebastian Osterholt, Dr. Andreas Poll, Gerlind Poll, Thomas Ridder, Ellen Schindler-Horst, Hartmuth Schlüter-Müller, Mechtild Schöneberg, Michael Weitzell, Maria Wolters-Höyng, Ortwin Wolters