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Vortrag von Winfried Nachtwei: „Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga“

Rückblick auf eine Rathaus-Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag

Im Dezember 1941 wurden die meisten der wenigen in Borken noch verbliebenen Jüdinnen und Juden in die lettische Stadt Riga deportiert. Elf der insgesamt 13 Personen aus Borken und Weseke fanden im dortigen Ghetto oder einem anderen Konzentrationslager den grausamen Tod. Die heutige lettische Hauptstadt war damit nicht nur die letzte Station der Entrechtung der ehemaligen Borkener Mitbürger, sondern auch das „Auschwitz der westfälischen Juden“, wie der Historiker Diethard Aschoff angemerkt hat.

Daran erinnerte der langjährige Münsteraner Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei am 26. Januar im Großen Ratssaal anlässlich des Holocaust-Gedenktages. 70 Besucher folgten dem Vortrag im Rahmen der vom Stadtarchiv Borken koordinierten Veranstaltungsreihe „Geschichte ist mehr“.

Winfried Nachtwei konnte auf dreißigjährige persönliche Erfahrungen zurückblicken. Als Lettland noch Teilrepublik der Sowjetunion war, hatte er im Baltikum bereits Spuren der nach Riga Deportierten gesucht und Kontakte mit den wenigen lettischen Shoah-Überlebenden geknüpft. Eindringlich ging er auf die Hintergründe der Deportationen ein, beschrieb den langen, qualvollen Weg von Westfalen bis nach Riga und ließ auch einige der wenigen Überlebenden zu Wort kommen. Damit beleuchtete er das über Jahrzehnte vernachlässigte Schicksal der nach Riga deportierten Juden, die beim Zwangsarbeiter-Einsatz oder bei Massenerschießungen im nahen Wald von Bikernieki ihren Tod fanden.

Archivleiter Dr. Norbert Fasse nannte in seiner Begrüßung 19 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Borken, die in Auschwitz ermordet worden seien. Die Mehrzahl von ihnen habe zuvor zwar in die Niederlande fliehen können, sei aber rund zwei Jahre nach dem deutschen Überfall im Mai 1940 der in unserem Nachbarland organisierten nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer gefallen. Mit Blick auf die Konsequenzen, die aus dieser historischen Erfahrung zu ziehen seien, mahnte er unter anderem ein konsequentere Demaskierung rechtsradikaler Parteien und Ressentiments durch Politik und Medien an.

 

Weiterführende Informationen:

Text der Einleitung von Dr. Norbert Fasse

Erinnerungsarbeit auf der Homepage von Winfried Nachtwei

Bilder der Veranstaltung